NRW-Athleten zu Gast in St. Laurent-Blangy

Kanuten-Treffen der ungewöhnlichen Art

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Sechs Kanu-Rennsportlern vom WSV Rheine, CC Emsdetten, KC Wiking Bochum und KKM Köln bescherte eine Reise nach Frankreich im Rahmen eines deutsch-französischen Begegnungsprojektes ein ganz besonderes Erlebnis. Dass der viertägige Aufenthalt keine normale Wettkampfreise war, dafür sorgte schon der Anlass: Die Organisatoren vom französischen Kanuclub ASL Canoe Kayak St. Laurent-Blangy im Departement Pas-de-Calais hatten zu einer Regatta zum 100-jährigen Jubiläum der siegreichen Kämpfe in der Region im 1. Weltkrieg eingeladen. Neben den sechs NRW-Athleten und den Teilnehmern aus Frankreich waren auch Delegationen aus Kanada, Australien, Weißrussland und Tunesien der Einladung gefolgt.
Das Besondere dieses Aufenthaltes wurde schon wenige Stunden nach der Ankunft in St. Laurent-Blangy deutlich: Für den Willkommensabend mit vorher verabredeten deutsch-französischem Buffet hatten die NRW-Sportler einige Spezialitäten aus der Heimat mitgebracht. Die fielen derart üppig aus, dass sich am Ende nicht nur die Gastgeber, sondern auch die Athleten aus Kanada und Australien zum Willkommensabend mit einfanden und es bei Pumpernickel, westfälischen Wurstspezialitäten und Aachener Printen zu einem ersten regen Austausch zwischen allen Sportlern kam.

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Bei einer Führung durch das Wassersportzentrum am nächsten Tag erfuhren die deutschen Kanuten Interessantes über das Kanusport-Angebot in der St. Laurent-Blangy und über die Nachwuchsarbeit des dortigen Vereins. Dem schloss sich ein Empfang beim Bürgermeister der Stadt an, bevor am Nachmittag bei einem kurzen Training die Wettkampfstrecke in Augenschein genommen wurde. Am Abend trafen sich unsere Sportler noch mit den Olympia- und WM-Medaillengewinnern Marie Delattre-Demory, Thomas Simart und Adrien Bart zu einem regen Gedankenaustausch über Leistungsförderung, Vereinbarkeit von Training und Studium bzw. Beruf, Nachwuchsgewinnung und vieles andere. Dabei stellten sowohl unsere NRW-Athleten als auch die französischen Gastgeber fest, eine Menge Interessantes erfahren und auch so manches gelernt zu haben.

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Bei den eigentlichen Wettbewerben am Samstag im K1 und im C1 über 150m schafften es unsere NRW-Sportler Maël Rengel, Lea Löffler, Oliver Petrykowski (alle KKM), Lasse Lausberg (WSV Rheine), Lea Körholz (CC Emsdetten) und Eike Grünendieck (KC Wiking Bochum) gegen starke internationale Konkurrenz zwar nicht in die Finals, dennoch präsentierten sie sich in den Viertelfinals achtbar. In einer separaten Junioren-Wertung kamen Lea Körholz auf Rang sechs, Eike Grünendieck auf Rang sieben und Lasse Lausberg auf Platz zehn. Als Einzelstarter erkämpfte Peter Happ (Wuppertal) im Parakanu gar einen dritten Rang.

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Am Sonntagvormittag sah das Programm ein besonders emotionales Ereignis vor: Gemeinsam mit Athleten aus Frankreich, Kanada, Australien und Tunesien besuchte die NRW-Delegation den französischen Nationalfriedhof Notre-Dame-de-Lorette. Der größte französische Soldatenfriedhof hält das Gedenken an die über 43.000 vor einhundert Jahren im 1. Weltkrieg gefallenen und an dieser Stelle beigesetzten französischen Soldaten sowie an die 580.000 Soldaten aus über 40 Nationen, deren Namen im „Ring der Erinnerung“ im internationalen Gefallenenmahnmal eingraviert sind, wach. In kurzen Ansprachen unterstrichen die kanadische Delegation – Soldaten aus Kanada hatten hier im 1. Weltkrieg besonders hohe Verluste zu beklagen – sowie die NRW-Delegation ihre Anteilnahme am Schicksal der damals Gefallenen und hoben die völkerverbindende Rolle des sportlichen Wettstreits hervor, zu dessen Zweck sie in Arras zusammengekommen waren. Symbolisch unterstrichen die Sportler diesen Gedanken, indem sie sich bunt gemischt unter den Teilnehmerländern an den Händen fassten und einen großen Kreis bildeten. Anschließend legten sie vertreten durch jeweils einen Sportler am Fuß des Laternenturms gemeinsam ein Blumengebinde nieder.
Am Nachmittag sorgten dann Rennen im K4, C4 und im C9 mit gemischten Teams aus den anwesenden Nationen für eine begeisternde Wettkampfatmosphäre und viel Spaß. Dabei verpassten die sechs NRW-Athleten gemeinsam mit drei Sportlern vom gastgebenden Verein im C9 nur um rund eine halbe Sekunde das Finale. Beim Abschied war vielfach der Wunsch zu vernehmen, dass man sich bald an gleicher Stelle bzw. bei anderen Wettkämpfen wiedersehen möge.

Text und Fotos: H.-P. Wagner