Frauen im Kanusport – Interview zum Weltfrauentag mit Gabriele Kohler

- 08.03.2026
Anlässlich des Weltfrauentages hat uns Gabriele Kohler seit 2019 Beauftragte für Chancengleichheit und Vielfalt im Kanu-Verband NRW und dem Deutschen-Kanu Verband (DKV) ein Inteview gegeben:
Wie bist du zum Kanusport gekommen?
Es war während eines Urlaubs an der Ardèche, als ich zum ersten Mal mit einem Sit-n-Top-Kajak unterwegs war. Nach nur drei Paddelschlägen war mir klar: Das ist mein Sport. Die Verbindung zur Natur, das Gefühl vn Entspannung und das gemeinsame Erlebnis mit anderen haben mich sofort begeistert. Besonders fasziniert mich bis heute, wie der Kanusport mir immer wieder den Perspektivwechsel ermöglicht – ob auf dem Wasser oder im Leben. Seitdem ist das Paddeln für mich nicht nur Hobby, sondern eine Leidenschaft, die mich mit Menschen, der Natur und mir selbst verbindet.
Was begeistert dich an deiner Aufgabe im Verband?
Was mich besonders antreibt, ist die Möglichkeit, mich aktiv einzubringen und den Kanusport mitzugestalten. Im Verband habe ich die Chance, nicht nur Ideen einzubringen, sondern auch konkrete Projekte umzusetzen und damit einen echten Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten.
Ein zentraler Antrieb für mich ist dabei der Blick auf alle Diversitätsdimensionen. Ob Alter, Geschlecht, Herkunft oder körperliche Voraussetzungen: Ich möchte dazu beitragen, dass der Kanusport für alle Menschen zugänglich und attraktiv wird. Es geht mir darum, Barrieren abzubauen, Vielfalt zu fördern und sicherzustellen, dass sich alle im Verband und auf dem Wasser wohlfühlt.
Besonders schön ist es zu sehen, wie kleine Veränderungen große Wirkung entfalten können - sei es durch inklusive Angebote, die Sichtbarkeit von unterrepräsentierten Gruppen oder das Schaffen von Räumen, in denen sich Menschen begegnen und gemeinsam wachsen. Für mich ist das mehr als ein Ehrenamt: Es ist eine Herzensangelegenheit, die den Sport und die Gemeinschaft nachhaltig prägt.
Was war dein bisher schönstes Erlebnis im Kanusport?
Ein Moment, der mich besonders berührt und geprägt hat, war, als ein Rollstuhlfahrer zum ersten Mal in einem Kajak saß. Plötzlich spielte seine Behinderung keine Rolle mehr - das Wasser trug ihn, das Boot gab ihm Freiheit, und alle begegneten sich auf Augenhöhe.
Dieser Augenblick hat mir gezeigt, was Kanusport wirklich ausmacht: Er schafft einen Raum, in dem Unterschiede unwichtig werden und alle gleichberechtigt teilhaben können.
Für mich war das nicht nur ein sprtliches Erlebnis, sondern eine tiefe Bestätigung dafür, warum Inklusion und Zugänglichkeit im Kanusport so wichtig sind. Solche Momente erinnern mich daran, warum ich mich für diesen Sport und seine Gemeinschaft engagiere.
Gab es Herausforderungen für dich als Frau im Sport?
In vielen Bereichen des Kanusports sind Frauen noch immer unterrepräsentiert: Sei es in Führungspositionen, als Trainerinnen oder in technischen Rollen. Obwohl Frauen auf dem Wasser aktiv sind, gibt es ein massives Missverhältnis in Verantwortungsbereichen (z. B. Vorstände, Fahrtenleitungen).
Frauen scheuen sich oft, Verantwortung zu übernehmen - nicht aus mangelndem Können, sondern wegen beruflicher oder emotionaler Belastung, Care-Arbeit oder dem Gefühl, „sich alles allein zutrauen zu müssen“. Auch ich kenne das: Der eigene Anspruch ist hoch, und wegen der Sorge, „nicht gut genug“ zu sein, wird ggf. Zurückhaltung geübt. Hier braucht es niederschwellige Angebote, Mentoring, Aufgabenteilung und eine Kultur der Motivation und aktiven Ansprache.
Dass Frauen sich unter Druck setzen der unter Druck gesetzt fühlen, passiert auch in gemischten Gruppen auf dem Wasser. Reine Frauenveranstaltungen wie das „Meeresleuchten“ zeigen: Hier entsteht eine andere Dynamik - mehr Lachen, mehr Austausch, weniger Druck. Als Frau erlebe ich immer wieder, wie wertvll es ist, wenn Frauen sich gegenseitig stärken.
Ob als Frau im Verband, bei der Organisatin von Events oder als Vorbild – ich sehe es als meine Aufgabe, Barrieren abzubauen und andere zu ermutigen.
Gemeinsam können wir viel bewegen - durch Vernetzung, Sichtbarkeit und konkrete Förder-Maßnahmen.Der Kanusport braucht mehr Frauen in Verantwortung, und ich setze mich dafür ein
Was wünschst du dir für die Zukunft von und für Frauen im Kanusport?
Der Kanusport soll für jede Frau zugänglich sein - unabhängig von Herkunft, Alter, körperlichen Voraussetzungen oder finanziellen Mitteln. Dazu braucht es mehr niederschwellige Förderangebote, flexible Strukturen, die Care-Arbeit, Beruf oder Familie berücksichtigen, inklusive Events, die gezielt Frauen z.B. mit Behinderungen oder Migrationshintergrund ansprechen.
Ich wünsche mir, dass Frauen im Kanusport als Trainerinnen, Fahrtenleiterinnen, Vorstandsmitglieder oder Leistungssportlerinnen aktiv sind. Dazu braucht es mehr Vorbilder, die zeigen, was möglich ist, und eine Kultur der Anerkennung, die Vielfalt aktiv fördern.
Mein größter Wunsch ist eine Gemeinschaft, die sich gegenseitig trägt - über Vereine, Verbände und Grenzen hinweg. Dass wir uns vernetzen, voneinander lernen und gemeinsam dafür sorgen, dass der Kanusport ein Ort wird, an dem jede Frau sich wohlfühlt. Wenn Frauen im Kanusport gestärkt werden, gewinnt der ganze Sport.
Was bedeutet der Weltfrauentag für dich persönlich?
Ich träume vn einem Kanusport, in dem Frauen selbstverständlich und gleichberechtigt in allen Bereichen mitgestalten - auf dem Wasser, in Vereinen, Verbänden und Führungspositionen. Ein Sport, der Vielfalt feiert und jeder Frau, unabhängig von Herkunft, Alter oder körperlichen Voraussetzungen, die Chance gibt, sich einzubringen und weiterzuentwickeln. Meine Vision ist ein Kanusport, der von Frauen mitgestaltet wird - nicht als Ausnahme, sondern als Selbstverständlichkeit. Ein Sport, der stärker, vielfältiger und lebendiger wird, weil Frauen ihre Ideen, ihre Energie und ihre Leidenschaft einbringen.
Der Weltfrauentag ist für mich ein Tag des Handelns - ein Tag, an dem ich mir bewusst mache, dass jede vn uns einen Unterschied machen kann. Und das motiviert mich, jeden Tag mich für diese Vision zu engagieren.
Was würdest du anderen Frauen und Mädchen gerne mit auf den Weg geben?
Traut euch, eure Leidenschaft zu leben - egal, b auf dem Wasser, im Verein, Verband oder im Beruf. Lasst euch nicht einreden, dass ihr „nicht stark genug“, „nicht gut genug“, „nicht erfahren genug“ oder „zu laut“ seid. Jede von euch hat etwas Einzigartiges zu geben - und genau das macht Euch besonders.
Such dir Vorbilder und werde selbst eins. Ich habe erlebt, wie wichtig es ist, Frauen zu sehen, die vorangehen. Aber genauso wichtig ist es, selbst die Hand auszustrecken und anderen zu zeigen: „Du schaffst das auch!“
Meldet Euch gerne bei mir, wenn ich Unterstützung braucht oder Euch engagieren wollt unter: chanchengleichheit@kanu-nrw.de

















