Freestyle an der Ruhrwelle – starke Leistungen und gelebte Gemeinschaft
2. Lauf zum Deutschen Schüler-Cup im Kanu-Freestyle in Neheim-Hüsten
- 23.04.2026
Faszination Kanu-Freestyle – wo alles beginnt
Kanu-Freestyle ist eine faszinierende Sportart: Kleine Kanus, die in riesigen schäumenden Wellen zielgerichtet durch die Luft und das wilde Wasser wirbeln. Gesteuert von Athletinnen und Athleten, die mit Können, Kraft und Erfahrung die rauschende Welle oder Walze beherrschen. In 45 Sekunden wird ein Move an den nächsten „gelinkt“ – vom Loop über den Space Godzilla, zwischendurch ein Cartwheel links, rechts, ein Splitwheel, gefolgt von Tricky Woo, Lunar Orbit, McNasty oder Phonics Monkey. Schließlich verlässt der Topathlet erschöpft, aber mit breitem Grinsen und einem Winken den Playspot. Staunend fragt sich der Zuschauer, ob Laie oder Wildwasserexperte: Wie lernt man diese Rotationen, Sprünge und Salti in solch wildem Wasser?
Der Schüler-Cup als Fundament der Nachwuchsarbeit
Eine Antwort lieferte am 18. und 19. April 2026 der zweite Lauf zum Deutschen Schüler-Cup im Kanu-Freestyle, der auf der Ruhr in der Welle vor dem Bootshaus des SKC Neheim-Hüsten ausgetragen wurde. Denn Freestyle-Karrieren beginnen nicht in der „Monster Wave“. Sie starten früh – an geeigneten Playspots, mit erfahrenen Trainern, viel Übung und vor allem mit Begeisterung fürs Bootfahren. Genau hier setzt der Deutsche Schüler-Cup an: Er verbindet sportliche Entwicklung mit Spaß, Motivation und einem geschützten Rahmen für Kinder und Jugendliche.
Der Ruhr-Playspot – fordernd, aber fair
Der Neheimer Ruhr-Playspot bot dafür ideale Bedingungen: eine sportlich fordernde, aber nicht übermächtige Walze, ergänzt durch ruhige Kehrwasserbereiche. Jede Athletin und jeder Athlet konnte selbst entscheiden, wo die Läufe gefahren wurden. Der SKC Neheim-Hüsten stellte Welle, Bootshaus und Zeltplatz zur Verfügung, während das Kanu-Freestyle-Team des Kanu-Verbands NRW mit Trainern, Safety-Boatern und Verpflegung für optimale Rahmenbedingungen sorgte. Zusätzliche Motivation erhielten die Kinder durch Topathleten der deutschen Nationalmannschaft, die vor Ort zeigten, was im Freestyle alles möglich ist.
Vom Training zum Wettkampf
Nach dem ersten Schüler-Cup-Lauf im ruhigen Wiedenbrücker Lehrschwimmbecken stellte die Ruhr – Austragungsort der Deutschen Meisterschaften 2025 – für viele Sieben- bis Vierzehnjährige eine neue Herausforderung dar. Entsprechend begann das Wochenende mit intensivem Training. Am Samstagvormittag tasteten sich die jungen Freestyler*innen behutsam an das Wildwasser heran, betreut durch erfahrene Trainer und abgesichert durch Safety-Boater und fleißige Helfer im Wasser und an Land.
In den anschließenden Vorläufen wurden jeweils drei Läufe gefahren, von denen die beiden besten für die Startreihenfolge im Finale zählten. Im Finale am Sonntag entschied dann der jeweils beste von drei Läufen über die Platzierung.
Starke Leistungen in den Schülerklassen U10, U12 und U14
Im Mittelpunkt standen die Schülerklassen U10, U12 und U14, die eindrucksvoll zeigten, zu welchen Leistungssteigerungen der Freestyle-Nachwuchs in der Lage ist.
In der U10 gewann bei den Jungen Levin Dimke (FF Freiburg) das Finale, während Fjonn Blawid und weitere Starter des KC Wiedenbrück-Rheda folgten. Bei den Mädchen setzte sich Bea Kölling (KC Wiedenbrück-Rheda) durch und überzeugte mit viel Kontrolle im bewegten Wasser.
In der U12 dominierte bei den Mädchen Maja Hessel (KC Rheintreue Homberg), während bei den Jungen Ole Kölling (KC Wiedenbrück-Rheda) das Finale für sich entschied. Konrad Mehrhof (KC Mehlem) komplettierte hier das starke Teilnehmerfeld.
Die U14-männlich-Klasse bot Freestyle auf besonders hohem Niveau. Malte Gersting (KC Wiedenbrück-Rheda) gewann souverän vor Mattis Strauf (KC Zugvogel Köln) und Henri Pentek (KC Rheintreue Homberg).
Locals, Nationalteam und Blick nach oben
Auch die älteren Klassen bereicherten das Wochenende. In der Ü18-Kategorie siegte der Neheimer „Local“ und Deutsche Vizemeister Patrick Stange, der aktuell seinen Homespot wie kaum ein anderer beherrscht. Mit spektakulären Läufen, guter Laune und viel Spaß zeigte er dem Nachwuchs eindrucksvoll, wohin der Weg im Kanu-Freestyle führen kann. Ergänzt wurde das Programm durch Rookie-, Masters- und Profiklassen, in denen auch mehrere Nationalteammitglieder an den Start gingen.
Gemeinschaft, die trägt – von den ersten Paddelschlägen bis ins Nationalteam
Neben dem sportlichen Wettbewerb ist der Gemeinschaftsgedanke ein zentrales Element des Deutschen Schüler-Cups. Freunde aus ganz Deutschland treffen sich wieder, neue Freundschaften entstehen, gemeinsam wird gezeltet, gegessen und abends gespielt. Gleichzeitig freut sich die Freestyle-Community immer über Neueinsteiger und neue Vereine, die den Weg in diese dynamische und offene Sportart finden möchten.
Ein besonderer Wert des Schüler-Cups zeigt sich auch mit Blick auf den Spitzensport: Ein großer Teil der aktuellen deutschen Kanu-Freestyle-Nationalmannschaft besteht aus Athletinnen und Athleten, die ihre Karriere bereits im Kindesalter beim Schüler-Cup begonnen haben und sich seitdem kennen. Diese gemeinsamen Anfänge prägen bis heute den Teamgeist im Nationalteam.
Wertungssystem und Ausblick
Ein speziell entwickeltes Bewertungssystem ermöglicht es, Anfänger und ambitionierte Talente gemeinsam antreten zu lassen. Tricks im Kehrwasser und in der Walze werden bewertet, Fahrten in der Walze meist doppelt gewichtet, erkennbare Trick-Versuche auch bei noch nicht perfekter Ausführung mit 50 Prozent der Punktzahl honoriert.
Der Blick richtet sich nun auf das Finale des Deutschen Schüler-Cups 2026, das am 11. und 12. September 2026 beim Mühlenrodeo in Limburg an der Lahn ausgetragen wird. In die Gesamtwertung fließen die Ergebnisse aus Wiedenbrück, Neheim und Limburg ein, gewertet nach dem Modus „2 best of 3“.
Dank und Fazit
Ein besonderer Dank gilt dem SKC Neheim-Hüsten für die große Gastfreundschaft sowie dem Verpflegungsteam des KC Rheintreue Homberg, das maßgeblich zum Gelingen der Veranstaltung beitrug.
Der zweite Lauf des Deutschen Schüler-Cups in Neheim-Hüsten machte eindrucksvoll deutlich: Kanu-Freestyle-Nachwuchsarbeit in Deutschland lebt von engagierten Vereinen, starken Landesverbänden – und vor allem von Kindern, die mit Begeisterung und einem breiten Grinsen aus der Welle fahren.
Hier geht´s zur vollständigen Ergebnisliste: Download Neheim 2026
Fotos: Jan Blißenbach












