Paddle Europe Freestyle Championships 2026
Ein Rückblick aus NRW
- 30.06.2026
Zwei Silbermedaillen für NRW – starkes deutsches Team, beeindruckende NRW-Bilanz in Lieksa
Nach vier intensiven Wettkampftagen gingen am 13. Juni 2026 die Paddle Europe Freestyle Championships im finnischen Lieksa zu Ende. Die Naturwelle am Neitikoski zeigte sich von ihrer besten, aber auch fordernden Seite: wuchtig, schnell, technisch anspruchsvoll – ein Spot, der Mut, Präzision und Nervenstärke verlangte. Eingerahmt war das Event von der wunderschönen Karelischen Seenlandschaft, deren endlose Wälder, glasklare Seen und stille Weite unmittelbar an die russische Grenze reichen und den Europameisterschaften eine besondere Atmosphäre verliehen.
Das deutsche Team trat mit einer verjüngten Mannschaft an, darunter allein acht Athletinnen und Athleten aus Nordrhein-Westfalen. Am Ende standen vier Medaillen für Deutschland zu Buche – zwei davon gingen nach NRW.
Silber für NRW: Naya Daruwala und Linn Schäfer glänzen international
Die erste NRW-Medaille sicherte sich Naya Daruwala (KC Zugvogel Köln) im Damen-Canadier (C1 Women). Die Kölner Studentin zeigte technisch anspruchsvolle Runs mit Loops und McNasty, paddelte hochkonzentriert und musste sich am Ende nur der neuen Europameisterin Lucia Hacker (Kanu-Schwaben Augsburg) geschlagen geben. Daruwala gewann Silber und bestätigte eindrucksvoll ihre Doppelrolle als Kajak- und Canadier-Spezialistin. Im Damen-Kajak gelang ihr zudem als einziger deutscher Starterin der Sprung ins Semifinale – Platz 8, ein starkes Zeichen ihrer Vielseitigkeit und internationalen Klasse.
Die zweite NRW-Silbermedaille holte Linn Schäfer (KC Monschau) im Juniorinnen Kajak (K1JW). Die 17-jährige Gymnasiastin aus Monschau, wildwassererfahren und nervenstark, steigerte sich im Verlauf des Wettkampfs kontinuierlich. Nach Platz 4 im Halbfinale zeigte sie im Finale ihre besten Läufe: hohe Loops mit Air- und Huge-Bonus, sauber ausgefahrene Moves und beeindruckende Konstanz. Gegen starke Konkurrenz aus Finnland, Irland und Deutschland setzte sie sich durch und paddelte auf einen viel umjubelten zweiten Platz.
Die NRW-Athletinnen und Athleten im Wettkampfverlauf
Im Herren Kajak feierte Patrick Stange (SKC Neheim-Hüsten) ein beeindruckendes internationales Debüt: Platz 15. Der Sauerländer punktete mit Air- und Clean-Bonussen, zeigte technisch saubere Läufe und empfahl sich klar für weitere internationale Einsätze. Mads Barwich (KC Wiedenbrück-Rheda) überzeugte mit konstant starken Runs. Für ihn war die EM ein besonders emotionaler Moment: Nach der verletzungsbedingt verpassten Heim-WM 2025 in Plattling gelang ihm nun der direkte Sprung vom Junioren- ins Seniorenteam – und das mit einer souveränen Leistung in 2 Läufen: Platz 17. Justin Niermeier (KC Wiedenbrück-Rheda) zeigte im Training herausragende Moves, konnte diese in der sehr wuchtigen, schnellen Walze im Wettkampf jedoch nicht vollständig abrufen. Die angrenzende Welle verlangte höchste Präzision, und trotz guter Ansätze blieb er hinter seinen Trainingsscores zurück, Platz 27 – ein wertvoller Erfahrungsbaustein für kommende internationale Starts. Robert Büchmann (WSC Dormagen), erfahrener Routinier und Stimmungsmotor im deutschen Team, glänzte mit stabilen Läufen und unterstützte die jüngeren Athleten mit seiner Erfahrung und feuerte unermüdlich von der Tribüne aus an. Gemeinsam mit Patrick Stange bildete er eine vielzitierte „Fahrgemeinschaft der guten Laune“. Anreise über das Baltikum und Rückreise über Schweden im mehr als 20 Jahre alten Audi Quattro inklusive.
Im Damen Kajak zeigte Nele Barwich (KC Wiedenbrück-Rheda), seit 2019 fest im deutschen Team, eine routinierte Vorstellung. Sie beherrschte den Neitikoski sicher und bestätigte ihre konstante Entwicklung im internationalen Vergleich. Die 22-jährige Master-Studentin der Wirtschaftswissenschaften landete auf Platz 17.
Im Junioren Kajak feierte Leo Andrzejewski (SG Welper), 16 Jahre alt, ein starkes internationales Debüt. Sein Markenzeichen: hohe Loops mit Air-Bonus und dynamische Cartwheels. Er platzierte sich im Mittelfeld und sammelte wertvolle Erfahrung für kommende internationale Aufgaben.
Das deutsche Team – jung, motiviert, erfolgreich
Mit vier Medaillen – Gold durch Lucia Hacker (C1W), Silber durch Naya Daruwala (C1W) und Linn Schäfer (K1JW) sowie Bronze durch Lukas Ramsayer (K1JM) – zeigte sich das deutsche Team hervorragend aufgestellt. Ein besonderer Dank gilt Ressortleiterin Andrea Hacker, Bundestrainer Helmut „Hewo“ Wolff und Teamleader Roman Glasman, die das junge Team kompetent, aber entspannt durch die Wettkampftage führten.
Begleitet wurden die NRW-Sportlerinnen und Sportler von Frank und Odrun Schäfer, Christoph Andrzejewski, Sylvia Daruwala, Tanja Pilgrim-Barwich, Stefan Barwich sowie Trainer Finn Krössig, der das Team fachlich und sportlich unterstützte. Das Kanu-Freestyle Team NRW hatte sich im Vorfeld intensiv um die Anreise, die Trainingsorganisation und die Versorgung der Sportlerinnen und Sportler gekümmert – ein Einsatz, der maßgeblich zum reibungslosen Ablauf und zur starken Teamleistung beitrug. Und natürlich war auch der inoffizielle „Mental Coach“ Canoe Dog Burton wieder dabei und sorgte für viele entspannte Momente.
Gemeinschaft, Natur und Emotionen – das Drumherum
Abseits der Wettkämpfe erlebte das Team unvergessliche Tage in der karelischen Natur: gemeinsames Camping- und Gruppenleben mit Lagerfeuer, Saunagänge mit anschließendem Sprung in den See, der Fang mehrerer Forellen für das gemeinsame Abendessen, internationale Begegnungen und Wiedersehen mit Freunden aus ganz Europa, die Anfahrt zur Tribüne per Motorboot, mitreißende Stimmung dort und eine beeindruckende Eröffnungsfeier im 30 Kilometer entfernten Lieksa, bei der Linn Schäfer die deutsche Fahne tragen durfte. Angenehm warme Temperaturen und die finnische Mitternachtssonne erlaubten non-Stop 24h Paddeln pro Tag am Neitikoski. Auch die Anreise selbst war ein Abenteuer: ein ausgeklügeltes Logistikkonzept aus Fähre, Flugzeug, Auto und gemeinsam organisiertem Bootstransport brachte das Team zuverlässig nach Nordkarelien und wieder zurück.
Besonders prägend war der starke Zusammenhalt innerhalb des Teams: Die Athletinnen und Athleten coachten sich gegenseitig, analysierten gemeinsam ihre Läufe und unterstützten sich technisch wie mental., Viele von ihnen hatten bereits im Vorfeld zusammen trainiert – in Neheim, Hohenlimburg, Graz und Wildalpen – und in Lieksa waren sie dann Teil einer internationalen Gemeinschaft mit Sportlerinnen und Sportlern und Freunden aus Österreich, Frankreich, Spanien, Norwegen, Irland, England, der Schweiz, Polen und Finnland. Kanu-Freestyle ist nicht nur Sport, sondern auch ein internationales Gemeinschaftserlebnis.
Die finnischen Organisatoren überzeugten mit Präzision, Freundlichkeit und einer entspannten Atmosphäre, die diese Europameisterschaft zu einem besonderen Erlebnis machte. Und eines steht fest: Finnland – wir kommen wieder. Hoffentlich bald zu einer Weltmeisterschaft.














