RVR-Ranger gehen mit der Kanuschule NRW für gemeinsamen Naturschutz aufs Wasser

Schluss mit Partyboot und Lagerfeuer

Wo im Sommer die Sonne scheint, wird es an Ruhr und Lippe schnell voll: Partyboote ziehen über das Wasser, Inseln werden belagert, am Ufer wird gegrillt und so manches Lagerfeuer entfacht. Was für die einen nach einem perfekten Sommertag aussieht, kann für Natur, Tiere und andere Erholungssuchende zum Problem werden – vor allem dort, wo Uferbereiche ausdrücklich nicht betreten werden dürfen.

Der Regionalverband Ruhr (RVR) möchte deshalb stärker auf dem Wasser präsent sein. Seine Ranger sollen künftig nicht nur zu Fuß unterwegs sein, sondern auch vom Kanu aus für die Einhaltung der Regeln sorgen, informieren und bei Konflikten ansprechbar sein.

Ranger-Dienst auf der Lippe: künftig auch vom Kajak aus

Damit die Ranger für ihre Einsätze auf dem Wasser gut vorbereitet sind, fand am 15. und 16. Juli eine spezielle Kanuschulung statt. Die Kanuschule NRW des Kanu-Verbandes NRW führte die Schulung in Kooperation mit dem Kanu-Club Friedrichsfeld durch und machte die Ranger von RVR Ruhr Grün fit für ihren künftigen Ranger-Dienst auf der Lippe.

Zwei Kajaks hat der Regionalverband Ruhr dafür bereits angeschafft. Getestet wurden sie schon auf einer der zukünftigen „Hausstrecken“: von Schermbeck bis Krudenburg ging es auf der Lippe entlang – eine Strecke, auf der die Ranger künftig auch unterwegs sein können.

Dabei ging es nicht darum, aus den Rangern Leistungssportler zu machen. Im Mittelpunkt stand vielmehr die Frage: Wie bewegt man sich mit einem Kajak sicher auf der Lippe, wenn man dabei gleichzeitig im Dienst ist, Menschen ansprechen und auf Situationen reagieren muss?

Vom Paddelschlag bis zur Kenterung

Auf dem Ausbildungsprogramm standen zunächst die Grundlagen des Kanufahrens. Die Ranger übten verschiedene Paddeltechniken, das Kehrwasserfahren und das Traversieren. Ebenso wichtig war das Thema Sicherheit im Kanusport.

Denn wer mit einem Kajak auf einem Fluss unterwegs ist, muss auch auf den Ernstfall vorbereitet sein. Was passiert, wenn das Boot kentert? Wie verhält man sich selbst im Wasser? Und wie kann einem gekenterten Kollegen geholfen werden?

Deshalb wurden auch Rettungstechniken vorgestellt und praktisch geübt. So wurden die Ranger Schritt für Schritt für ihren „Diensttag auf dem Wasser“ fit gemacht.

Wenn die Insel zum Grillplatz wird

Der Hintergrund für die neue Präsenz auf der Lippe ist allerdings nicht allein die Freude am Kanufahren. Mit den warmen Tagen nimmt auch der Nutzungsdruck auf die Flüsse und ihre Ufer zu.

Partyboote fahren über die Ruhr oder Lippe, Menschen steigen an Stellen aus, an denen das Ufer nicht betreten werden darf, Inseln werden als Liegeplätze genutzt. Dazu kommen Grillsessions, Lagerfeuer und Müll, der nach dem Aufenthalt zurückbleibt.

Gerade die Uferbereiche der Flüsse sind jedoch wichtige Lebensräume. Sie dienen Tieren als Rückzugs- und Brutgebiete und sind Teil eines empfindlichen Ökosystems. Uferbetretungsverbote sind deshalb nicht willkürlich aufgestellt. Sie sollen bestimmte Bereiche schützen, Konflikte vermeiden und eine verträgliche Nutzung der Gewässer ermöglichen.

Auf Augenhöhe statt nur mit erhobenem Zeigefinger

Die Ranger sind eine wichtige Schnittstelle zwischen Naturschutz und Freizeitnutzung.

Wer mit dem Partyboot unterwegs ist, möchte seinen Sommertag genießen. Wer mit dem Kanu paddelt, möchte den Fluss erleben. Und wer am Ufer spazieren geht, sucht Erholung. Gleichzeitig brauchen Tiere Ruhe und geschützte Lebensräume.

Die Herausforderung besteht darin, diese Interessen miteinander in Einklang zu bringen.

Dafür braucht es Präsenz, Kommunikation und – wenn nötig – auch klare Hinweise auf bestehende Verbote. Die Ranger sollen dabei nicht zuletzt ansprechbar sein und erklären können, weshalb eine bestimmte Insel nicht betreten werden darf oder warum ein Lagerfeuer am Ufer eben keine gute Idee ist.

Die Schulung am 15. und 16. Juli war dafür ein wichtiger Schritt. Die Ranger haben dabei nicht nur Paddel-Grundtechniken, Kehrwasserfahren, Traversieren und Rettungstechniken gelernt. Auch die Ausbilder selbst konnten viel über die Besonderheiten des Ranger-Dienstes, die Schutzbereiche und die Regeln entlang der Lippe erfahren. Am Ende haben also beide Seiten etwas mitgenommen.

Naturschutz als Grundlage für den Kanusport

Die Ranger sind nun besser auf ihren Einsatz auf dem Wasser vorbereitet und können künftig noch gezielter für den Schutz der Natur und ihrer Lebensräume sorgen. Denn gerade für uns als organisierte Akteure im Kanusport steht im Mittelpunkt, die Natur zu erhalten und damit die Grundlage dafür zu schaffen, dass Kanusport auch langfristig und naturverträglich möglich bleibt.

Die geltenden Befahrungsregelungen für die Lippe sind hier zu finden.

 

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